Monday, July 25, 2016

Johannes

Frankfurt. Ein Barcamp einer Bankengruppe. Und Johannes stach mir sofort in die Augen. Er war wie ein Leuchten, voller Energie, voller Dynamik. Wir präsentierten beide Themen rund um Social Media und erkannten schnell, dass wir gleich ticken. Nicht nur was unsere Affinität zum Netz anging, die damals niemand teilte und die wohl heute den meisten noch in der Intensität abgeht, die für Johannes typisch war. Auch unsere Sicht auf die Welt war so ähnlich, das wir uns stundenlang verquatschen konnten. Johannes war ein Mensch voller sprühender Ideen. Die er vermutlich auch als Tarnung seines brüchigen, traurigen Inneren nutzte. Aber damals hatte ich ja keine Ahnung, wie es um ihn Stand, ich wusste ja selbst nicht, was mich noch mit ihm verbünden sollte. Als sein Freund Kai schwer erkrankte und die Familie in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten drohte, startete Johannes #einbuchfuerkai, das ein ungeahnter Erfolg werden sollte. Wieder so eine typische "Johannes" Idee. Nutze was dir geboten ist, um Gutes zu wirken. Überhaupt, Johannes war einer der wenigen Menschen, dem ich immer abgekauft habe, dass es ihm um mehr als Reichweite, mehr als beruflichen Erfolg geht. Was letztlich zu seinem finalen Schritt geführt hat, ich weiß es nicht. Aber auch mein eigener Versuch ist mir ein Rätsel. Wir sollten nicht spekulieren, niemand hat in ihn geblickt und ich weiß, wie dunkel es dort werden kann. Nur was für Konsequenzen sich daraus ergeben, das schreibt der individuelle Lebensweg. Dass seine Familie trauert, dass es Fragen gibt, es ist unumgänglich. Aber es wird keine Antworten geben, denn die hat Johannes mitgenommen. Was uns bleibt ist, seine Ideale, seine Projekte fortzuführen. Denn er wollte das Netz zu einem guten Ort machen. Die Anteilnahme heute Morgen, die vielen Wünsche und Initiativen, um Johannes doch noch lebend zu finden und vor allem #wirfuerhannes. Ein gutes Netz. So stelle ich es mir vor. Und es gibt Anzeichen, dass Johannes Vermächtnis n [...]

Monday, July 4, 2016

Wenn gut gemeintes dich ins Loch stösst

Schlimmer noch als böse Menschen, toxische Typen, giftige Gestalten sind all die, die es doch nur gut mit dir meinen. Da hast du es gerade einigermaßen auf einen stabilen Stand geschafft, fühlst dich gefestigt, denkst, du kannst auch den Arbeitsalltag wieder stemmen, dann mischen sich Klugscheißer ein, die über deinen Kopf hinweg entscheiden, dass du wohl nicht stabil genug bist. Die haben die unverschämte Arroganz, die Überheblichkeit, zu entscheiden, wie ich zu sein habe. Oder noch schlimmer, die begreifen einfach nicht, dass nur weil ich jetzt aus den Kliniken und der Wiedereingliederung raus bin, das noch lange nicht heißt, dass ich gesund bin. Ich bin stabil, ich hab meinen schwarzen Hund gerade unter Kontrolle, da kommt eine gute gemeinte aber für mich fürchterliche Breitseite, die mich wieder tief ins Loch der Depression stößt. Die eine Panikattacke auslöst, Selbstverletzung und depressive Gedanken in Reinkultur. Sensibilität, das ist etwas, das viele von sich zu haben behaupten, aber ganz wenigen gegeben ist. Und ich darf die Trümmer meines gerade geklebten Seelenkruges wieder mühsam zusammenflicken, denn man damals vermutlich nicht mal absichtlich zerbrochen hat und mich damit fast umgebracht. Bitte, meint es nicht gut mit mir, wenn euch nicht wirklich interessiert, wie es mir geht, wenn ihr nicht begreift, dass ich Depressionen auch weiterhin haben werde, und auch gerade deshalb ernst genommen, gefragt werden will. Arroganz und Ignoranz. Ich kann sie nicht mehr ertragen. Lasst ich lieber in Ruhe, bevor ihr gänzlich unbedarft in meiner Seel herumstochert und mich mehr verletzt, als ihr es vielleicht ahnt.

Thursday, June 30, 2016

Golchi, die modifizierbare Trinkflasche für zwei Getränke gleichzeitig.

Ein Kickstarter Projekt, das schon kurz nach dem Start finanziert ist. Und eine Trinkflasche für zwei Getränke gleichzeitig. Das ist Golchi. Eine der spannendsten Variationen der Trinkflasche, die ich bislang entdeckt habe. Und von mir unterstützt.

Sunday, June 26, 2016

Warum wir alle verrückt werden sollten.

"Bin ich etwa verrückt geworden?", fragte der Hutmacher traurig. "Ich fürchte, ja", sagte Alice, "du bist total durchgeknallt. Aber soll ich dir ein Geheimnis verraten? Das macht die Besten aus."

(Alice im Wunderland von Lewis Carroll)

Normal sein. Brav sein. Gefolgsam sein. Ein guter, williger, konformistischer Angestellter, der ja keine rebellischen Gedanken hat, am besten gar nicht eigenständig denkt sondern nur zum Wolle des Unternehmens. Braver Bürger, der sich an Regeln und Gesetze hält, ohne sie zu hinterfragen, ohne zu zweifeln. Wir werden so häufig in ein scheinbar normales Korsett von Verhaltensweisen, Vorschriften und Drohungen  gesperrt, dass es uns oft den Atem raubt. Dabei sind diese Regeln und Normen oftmals nur für ganz bestimmte Menschen oder Instanzen normal, sinnvoll, nützlich. Für den großen Rest stellen sie eigentlich den blanken Wahnsinn dar. Ein Banker verdient mit dem Geld hin und her schieben Unsummen, eine Krankenschwester kann froh sein, wenn sie nach vielen unbezahlten Überstunden von ihrem Gehalt überhaupt leben kann. Großkonzerne suggerieren uns, wir seien krank, hätten Defizite, bräuchten teures Functional Food oder Nahrungsergänzungsmittel. Und erst jüngst haben mehrere Studien nachgewiesen, dass die Psychopharmaka, die auch ich gegen meine Depressionen verschrieben bekommen habe, eigentlich genau so viel Wirkung zeigen, wie Plazebos und lediglich bei ganz schweren Fällen einen gewissen Nutzen haben. Wir schicken Kinder in Schulen, die schon wir hassten, damit sie Dinge lernen, die sie später nicht brauchen oder noch schlimmer, damit sie zu willigen Lohnsklaven für die Arbeitgeber ausgebildet werden, statt universell gebildet zu sein, um dann möglicherweise die eine oder andere Lüge oder Dummheit zu hinterfragen. Das da draußen, das, was man uns als vernünftig, gut, richtig präsentiert ist zum Teil viel größ [...]

Friday, June 24, 2016

Die Schere im Kopf und das Blockwartdenken

Ich schreibe nicht alles, was mir am Herzen liegt. Nicht, weil ich dafür keine Worte finden könnte. Aber weil ich weiß, dass ich bespitzelt werde, dass man sich wohl Sorgen macht, ich könnte den Finger in Wunden legen, die man lieber unter den Tisch kehren will. Ja, das ist Zensur, sogar Zensur, die ich mir selbst auferlege. Aber mit einer Familie ist man erpressbarer als alleine. Und zudem ist es mir den ganzen Ärger nicht wert, zu erzählen, was die unliebsame Wahrheit ist. Mir sind jetzt andere Themen wichtig. Die Aufklärung über Depression, die Prävention von Suizid. Natürlich bin ich weiterhin wütend über die Bespitzelung und würde liebend gerne dagegen vorgehen. Aber das bedürfte Anwälten, und viel Energie, die ich so mit meiner chronischen Depression im Moment einfach nicht habe. Aber die Prioritäten haben sich durchaus verschoben und wo ich mich zuvor schwer getroffen füllte denke ich mir immer öfter das Götz Zitat. Wo mich Green- oder White washing geärgert haben freue ich mich heute diebisch, wenn das ganze von der Hand des "Waschenden" selbst in sich zusammenstürzt. Als Buchautor habe ich zudem andere "Waffen", die ich durchaus einzusetzen weiß, so wird mein Buch über meine Zeit in den Therapien sicher ein erhellender Einblick in das, was einem als Suizidüberlebendem so alles widerfährt. Dennoch. Ja, ich habe bei gewissen Themen eine Schere im Kopf. Aber nur so lange, bis die Drohungen massiver werden. Dann werde ich mich zu wehren wissen. Nochmal ins Eck treiben lassen, no way.

Wednesday, June 22, 2016

Manchmal ist es besser wenn etwas nicht passiert

Noch laufen die Dreharbeiten für die 37° Doku.  Nicht alle Player, die ich gerne dabei gehabt hätte, machen mit.  Angeblich zu meinem besten.... ohne mich zu fragen.  Früher hätte ich mich aufgeregt, aber auch hier war die Depression mir ein Lehrmeister.  Ich bin nicht für das Wohl anderer verantwortlich.  Und wenn ich ohne Anstrengung die Dreharbeiten überstehe und andere das anders sehen. Pech gehabt.  Zumal da noch andere Baustellen schwelen. Und auch in der zweiten tv Doku und im Buch bin ich clean.  Jetzt kann ich ganz die restlichen Dreharbeiten ganz gelassen angehen.  Und auch eine große französisch Stadt noch eine Rolle spielen. Distanz zu toxischen Menschen.  Ich merke immer mehr, dass das zu einer meiner wichtigsten Regeln werden wird. Und nicht zu lange über  anderer Leute Fehlverhalten aufregen.  Aber einen Gruß an jene schicke ich dann doch.  Danke.  So ist es mir lieber.

Sunday, June 19, 2016

Die Wirtschaft will Spitzenleistung. Dann soll sie auch liefern.

Manager predigen Spitzenleistung, fordern jedes Jahr 5% mehr Leistung. (Ohne natürlich zu hinterfagen, ob das die Mitarbeiter auch gesundheitlich und psychisch verkraften, aber dafür sind sie ja verplanbare und verbrennbare Humanressource.) Gleichzeitg schanzt sich das Topmanagement fürs Versagen bei Projekten wie Berlin, Stuttgart oder auch anderen großen Aufgaben, wie zum Beispiel einer guten, ehrlichen und menschlichen Unternehmenskultur bei VW Millionengehälter zu und ändert das erst nach massivem öffentlichen Protest. Wir alle sollen in einer Kultur der Spitzenleistung existieren, in der wir konsumieren wie die Idioten und gleichzeitig arbeiten bis zum Umfallen. Natürlich aber dann, wenn es daran ginge Rente zu beziehen am besten tot in die Kiste fallen, damit wir ja nicht mehr dem Staat auf der Taschen liegen, der uns davor Jahrzehnte geschröpft hat, während er den Konzernen jede mögliche Erleichterung verschaffte, nur, weil die Manager da oben, die ohne jede Bodenhaftung in anderen, in surrealen Fantasiewelten existieren, nur weil diese Manager mit Arbeitsplatzabbau drohten, den sie dann so oder so machten. Wie wäre es zur Abwechslung mal, wenn die Wirtschaft liefern würde, statt uns, den Konsumenten als dumme Melkkuh zu behandeln. Wenn es möglich wäre, auch ohne Arbeitsplatz gut zu existieren, statt sich von der Hartz IV Stasi verfolgt zu wissen, die einem nicht das kleinste bisschen Alterssicherung gönnt und immer nur so tut, als wären alle Hartz IV Empfänger Verbrecher, wohl wissend, dass die eigentlichen Verbrecher ganz woanders sitzen. Das wir Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens verspotten, ist da nur logisch. Nicht, weil das eine dumme Idee wäre, ganz im Gegenteil. Aber es würde den Bürger mündiger, unabhängiger von den Konzernen machen. Wir wären nicht mehr die Lohnsklaven, die jeden Schwachsinn mitmachen müssen, weil man ja sonst gefeuert wird. Und es würde aus den Unternehmen ehrlicher berichtet, st [...]

Monday, June 13, 2016

Du bist doch depressiv, du kannst das doch nicht.

Warum eigentlich meinen alle besser zu wissen, zu was ich in der Lage bin und zu was nicht? Wie? Du warst das ganze Wochenende auf dem Literatur Barcamp in Heidelberg? Das muss dich doch sehr angstrengt haben? NEIN, HAT ES NICHT. Warum wissen andere denn immer so viel besser, was mich anstrengt? Das Literatur Barcamp war für mich pure Erholung, Inspiration, Stimmungsaufhellung. Genauso wie die Arbeit an meinem Buch. Das strengt zwar in gewissem Sinn auch an. Aber diese Anstrengung empfinde ich als sehr positiv und sie lenkt mich hervorragend von meiner Depression und meinen Ängsten ab. Beim Schreiben habe ich das Schicksal im Griff, zumindest im Rahmen der Fantasie der Autorenrolle. Und ja, ich mache bei Dreharbeiten mit, aber auch die strengen mich bei weitem nicht so an wie klugscheissende Ärzte, die behaupten, das "wäre für den Herrn Hauck aber noch nichts." Völliger Quatsch, aber immerhin folgte darauf der Mandatsentzug. Lass mir doch nicht von anderen vorschreiben, was ich kann und was nicht. Vielleicht ist das das eigentlich Ärgerliche daran, mit der Depression an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gibt plötzlich so viele besorgte Besserwisser, die zwar von der Krankheit keine Ahnung aber tausend Helferlein zur Hand haben. Wisst ihr was? Verpisst euch. Ich krieg das schon in den Griff, mit denen, die wohlwollend an meiner Seite stehen statt mit erhobenem Finger über mich zu richten. Ich entscheide. Das hab ich viel zu lange nicht. Also, weg mit den toxischen Menschen. Und wenn ich sie nicht physisch meiden kann, dann fliegen die zumindest aus meinem Kopf. So.

Sunday, June 12, 2016

Das Literaturcamp Heidelberg, es hätte nie enden dürfen

litcamp2 Es gibt diese Ereignisse, die prägen sich ins Gedächtnis wie von einer Dampframme gestempelt. Das Literaturcamp Heidelberg, ein Barcamp für alle, die sich irgendwie mit Buch und Literatur befassen, fand im DEZERNAT 16, der Kultur- und Kreativwirtschaft in der alten Feuerwache Heidelberg statt. Mit meinem aktuellen Buchprojekt war das Camp quasi Pflichtveranstaltung. Und ich hatte mir nicht zuviel davon versprochen. Von Dramaturgie einer Erzählung über Erfahrungen aus der Lektorenpraxis bis hin zu "Let's talk about Sex" (Beteiligte wissen, worum es geht, der Rest möge seiner verdorbenen Fantasie freien Lauf lassen. Auch wenn sie höchstwahrscheinlich daneben liegt), es war ein bunter Strauß an Themen. Danke an die Hauptorganisatoren Susanne Kasper (@literaturschock), Dirk Welz (@dirkwelz),Nathan Mattes (@zeitschlag), Valentinlitcamp3 Bachem (@hdvalentin) und Nils Pawlik (@[...]

Wednesday, May 25, 2016

Ich bin anders, lebt damit

20151021_160413Ich bin nicht normal. Schlimm? Ach was. Normalität ist für mich Langeweile.  Durchschnitt. Alltäglich. Unkreativ. Normal sind, die, die mir immer klar machen wollen, dass mein "anders" sein, mein "anders" denken böse, gefährlich, falsch, bedrohlich ist. Lange hab ich immer wieder auf diese Stimmen gehört, mich von ihnen irritieren lassen, kaputt machen, in die Depression treiben. Was ich gelernt habe im letzten Jahr. Ich werde anders bleiben. Weil ich so sein bin. Weil es mein Wesen ausmacht, meine innere Essenz darstellt, das, was mich am Leben hält. Ich bin der, der auch im Winter oder bei Regen barfuß nach draußen geht. Ich bin der, der lieber ein Museum oder eine Bibliothek besucht, als eine Party. Ich bin der, der es liebt, zu schreiben,  der Filme schätzt, die andere als langweilig oder zu schräg bezeichnen würden. Ich bin der Geek, der Gadgets und Technikspielereien liebt, der sich aber gleichzeitig mit Malerei und Prosa befassen möchte. Ich bin Rampensau und Agoraphob. Und ich bin depressiv und mag es dennoch, mit anderen zu lachen. Zumindest, wenns mir nicht gerade tiefdunkelübel geht. Nehmt mich so, wie ich bin oder lasst es. Aber versucht nicht mich zu verbiegen. Denn auch wenn ich nachgeben werde, ich werde mich wehren. Weil ich einen Suizidversuch hinter mir habe, weil ich mich hatte falsch machen lassen. Ein zweites Mal darf das, wird das nicht passieren. Ich bin ein Außenseiter aber Überraschung. Ich fühle mich wohl dabei. Mittlerweile.